© 2022 UWE Reeperbahn

UWE

 
Uwe haben wir in der Washingtonbar getroffen. Wortlos stellte der alte Mann ein paar kalte Biere auf den Tisch und quetschte sich zu uns in die kleine Sitzecke:         "Ich bin Uwe. Zum Wohl, Freunde!" knarzte er heiser. Er setzte  die Buddel an und leerte sie in einem Zug. Dann fummelte er ein Päckchen Zigaretten und  einen zerknitterten braunen Umschlag aus seiner abgetragenen Lederjacke und legte ihn neben die Flasche auf den Tisch. Er lächelte noch einmal kurz, steckte sich eine Zigarette an, stand auf, schob das Kuvert in die Mitte des Tisches und ging vor die Tür.

Einige Herrengedecke später schauten wir nach ihm. Uwe war verschwunden. Wir dachten, er hätte seinen Umschlag vergessen, also öffneten wir  ihn und fanden einen Brief. Auf zwei handschriftlich verfassten Seiten erzählte der alte Mann in knappen Worten von seinem Leben, dass er viel in der Welt rumgekommen sei und sich am liebsten dort aufgehalten hatte, wo Menschen zusammen an Tischen saßen oder am Tresen standen, tranken, lachten und wo gute Musik gespielt wurde.     Er schrieb auch, daß er immer selbst gerne so einen Ort schaffen wollte, aber nun sei die Zeit für ihn knapp geworden. Uwe hatte den Brief gar nicht vergessen, sondern ihn uns mit voller Absicht da gelassen. In den Umschlag hatte er dazu auch noch ein reichlich dickes Bündel großer Geldscheine gepackt, das von einer Banderole zusammengehalten wurde. Darauf hatte Uwe drei Worte gekritzelt: Zum Wohl, Freunde!                                                

Nun wisst Ihr, warum der Laden UWE heißt und was man sich bei uns zuruft, wenn die Gläser klingen.


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